Meine Familienforschung

Gesindebuch meines Urgrossvaters Gustav Lange

Gesindebuch
Gesindebuch meines Urgrossvaters Gustav Lange | ©KP

 

Wusstet ihr, dass Dienstboten im 19. Jahrhundert ein Gesindebuch führen mussten? Dieses kleine Heft war ihr Arbeitsnachweis und Kontrollmittel zugleich – ein Fenster in die strenge Welt vergangener Zeiten! Im Leezener Archiv habe ich das Gesindebuch meines Urgrossvaters Gustav Lange gefunden. Gesindebücher mussten im 19. Jahrhundert geführt werden. In ihnen wurde eingetragen, wo und bis wann man bei jemanden gearbeitet hat. Mein Urgrossvater Gustav Lange (1878-1953) war von Beruf ein Knecht. Er war gerade mal 15 Jahre alt, als dieses Büchlein geführt wurde. Gustav arbeitete auf verschiedenen Bauernhöfen im Kreis Segeberg, wie man in seinem Gesindebuch einsehen kann.

Was ist ein Gesindebuch?

Ein Gesindebuch war ein Dokument, das die persönlichen Daten und Dienstverhältnisse von Dienstboten, Knechte und Mägde enthielt. Sie mussten das Gesindebuch bei Antritt einer neuen Stelle vorlegen. Es wurde von den örtlichen Polizeibehörden ausgestellt. In diesen Büchern wurden Name, Heimatort, Alter und äußere Kennzeichen, Tätigkeitsfelder, Dauer der Beschäftigung, Gründe für das Ende des Dienstverhältnisses und manchmal auch Zeugnisse notiert.

Wer häufig den Dienstherrn wechselte, brauchte das Gesindebuch, um seine „Ehrbarkeit“ zu beweisen. Ohne Eintrag konnte man schnell als „Vagabund“ gelten und bestraft werden. Es wurde regelmäßig überprüft, z. B. bei Antritt einer neuen Stelle oder bei polizeilichen Kontrollen. Das Gesindebuch war ein Relikt feudaler Strukturen und verschwand im frühen 20. Jahrhundert mit der Industrialisierung und der Einführung moderner Arbeitsverträge. Es wurde durch andere Dokumente, wie Arbeitsbücher oder Zeugnisse ersetzt, die weniger kontrollierend waren.

Das Original kann hier heruntergeladen werden: Gemeindearchiv Leezen